Vitaly Fedotov (vital_fedotov) wrote,
Vitaly Fedotov
vital_fedotov

9.0



11 Mai 2011
Freitag ca. 14:30 Uhr. Ich war bei der Arbeit am Schreibtisch. Es hat angefangen wie ein normales Erdbeben, dass fast jede Woche in Tokyo stattfindet. Es hat einfach leicht gewackelt, doch es hat nicht aufgehört wie immer sondern wurde stärker. Da haben sich schon alle angeguckt, aber nichts dabei gedacht. Doch es wurde immer stärker und stärker, bis das Gebäude anfing zu quietschen! Da sind viele nach draußen gelaufen, viele (so wie ich) krochen unter den Tisch, damit die aufhänge platten an der Decke nicht auf den Kopf fallen. Es hat ca. 2 Minuten gedauert!  2 Minuten hat es gebebt und gewackelt! Angst – JA.

Als es schwächer wurde und schließlich aufgehört hat, war es total leise im Büro… als ob die Menschen das Erdbeben hören wollten. So wie vorgeschrieben, Helm geschnappt (jeder hat einen Helm) und ab nach Draußen. Dort haben sie alle Mitarbeiter auf einem Fußballplatz versammelt. Da sah ich zum ersten Mal alles beisammen. Man hat sich nach Abteilung aufgestellt und es wurde gezählt ob alle da sind. Wir warteten alle 20 Minuten ob ein Nachbeben kommt und wollten grade reingehen, da kamm die zweite Welle die genau so stark war! Da merkte ich, was das für ein komisches Gefühl ist, wenn der Boden unter den Füßen tanzt. Wieder haben sich alle aus dem Platz gesammelt. Da kamen die ersten Nachrichten über den 10 Meter großen Tsunami. Da waren erst mal alle still… viele, die Verwandte und Bekannten in der Region hatten, versuchten panisch sie telefonisch zu erreichen, aber der Mobilfunknetz war zusammengebrochen.

Nach 30 Minuten dürften alle in das Gebäude reingehen, die Sachen holen und nach Hause gehen. Doch die gesamten öffentlichen Verkehrsmittel waren auch zusammengebrochen. Die Züge blieben 2 Tage lang stehen! Die Büse waren überfühlt und man konnte keinen Taxi mehr kriegen! Ich habe zuvor nie eine 300 Meter Schlange für Taxi gesehen. Für mich kein Problem, wohne nur 1 Stunden zu Fuß von der Arbeit, aber tausenden mussten auf Bahnhöfen übernachten.

Es war das stärkste und das längste Erdbeben, das Japan je aufgezeichnet hat! Das schockierende dabei war, dass es nicht nur ein bestimmtes Region gebebt hat, sondern GANZ Japan! Von Hokkaido bis Kyushu hat es überall gewackelt! Sowas gab es noch nie! Unten auf der Karte kann man sehen wie sowas bildlich dargestellt wird. (Die Japaner messen Erdbeben in ihre eigenen Skala – „Shinto“ stärke). Wie man sehen kann, war in Tokyo ca. Shinto 5 in Sendai war es 7. Auf der internationalen Skala war das Erdbeben M9.

Ich habe mich auf dem Erdgeschoss aufgehalten, aber meine Bekannten die in Tokyo im 30 Stockwerk arbeiten haben das noch stärker und länge erlebt. Weil sich die Wolkenkratzer durch die niedrige Frequenz und über die lange Zeit aufgeschaukelt haben. Die Gebäude hier werde auf die Stärke Shinto 7 ausgelegt und halten es stand. Auch in Sendai, wo es am stärksten war, hat das Beben nicht viel kaputt gemacht. In Tokyo waren keine große Schäden; paar Häuser sind in Brand geraten, einige Hausfassaden sind abgefallen. In Chiba ist eine Ölraffinerie explodiert, was eine gewaltige Flamme ausgelöst hat. In meiner Stadt ist ein Parkhaus zusammengebrochen.

Die meiste Zerstörung  verursachte der Tsunami… die Bilder kennt ihr alle.

Nachts nach dem Beben konnte man kaum schlaffen, weil es jede 10 Minuten gewackelt hat! Es gab Nachts noch 2 starke Erdbeben in Nagano mit Stärke 6. Auch in den nächsten zwei Tagen wackelte es jeder halbe Stunden. Es hat über 150 Nachbeben gegeben! Die meisten hatten Stärke 4 oder 5.

Doch die Panik und Angst löste bei Menschen die Nachrichten über das Atomkraftwerk. Die meisten deutschen Firmen flogen ihre ausländischen Mitarbeiter schon am Sonntag aus dem Land.

Es gab keine Panik in Tokyo, doch nachdem der erste Block im Kernkraftwerk in die Luft flog, gab es richtige Hamsterkäufe. Das erste, was nicht mehr zu kaufen gab, war Wasser! Danach wurden die Regale mit Getreide und Instantnudeln weggeputzt. Fleisch und Fisch gab es auch nicht mehr. Als ich das gesehen habe, da war mir auch schon etwas unwohl. Am Montag und Dienstag nach dem Beben waren viele Firmen geschlossen, weil es in vielen Bezirken Tokyos zu Stromausfällen kam. Nach der zweiten Explosion im AKW flohen die meisten Ausländer aus dem Land. Narita (Internationale Flughafen in Tokyo) war komplett überfüllt!

Nach der dritten Explosion habe auch ich schnell die Sachen gepackt und bin mit dem Schnellzug nach Osaka gefahren. Dort war ich in Sicherheit und konnte abwarten und sehen wie sich die Situation entwickelt.

Die Ausländer reisten weiterhin aus dem Land… die meisten aus Angst und Ungewissheit was sonst noch geschehen kann… Doch viele wegen den Eltern und Verwandten, die durch die überdramatische und gezielt angstmachende Berichterstattung der Medien, durch das Unwissen der Physik und der japanischen Geographie in Panik und Angst über ihre Lieben ausbrachen und diese zwangen alles hin zu schmeißen und weg zu reisen. Ich kann die verstehen…

Nach einer Woche in Deutschland bin ich wieder in Tokyo. Die Situation hat sich beruhigt (Damit meine ich die Situation in Tokyo). Es gibt wieder alles zu kaufen, die Regale sind wieder voll. Nur das Wasser hat man rationalisier: Pro Person darf man nur eine 2L Flasche Wasser kaufen.

Was am Unglücksort passiert ist dramatisch. Die Menschen dort hat es jetzt von 3 Katastrophen erwischt. Die Stadt Sendai und Miagi gibt es nicht mehr und die Region um Fukushima wird bestimmt nie mehr wieder bewohnbar sein.

Die japanischen Medien und Regierung machen weiterhin Propaganda. Zum Glück gibt es einige internationale Behörden die Radiation in Tokyo messen. Auch meine Firma hat in Tokyo Office ein Dosimeter angebracht um Radioaktivität in der Luft zu messen. Nach dem letzte Woche die radioaktive Wolke Tokyo erwischt hat, gab es auch kontaminiertes Wasser. Gestern haben die Werte wieder die Normwerte erreicht. Doch die Spannung wird noch ewig dauern. Es wird sicher noch Jahre dauern um die Situation da in Griff zu kriegen.

Ich wundere mich über die Japaner, wie die damit umgehen. Es gab zwar am Anfang Hamsterkäufe, aber jetzt sind wieder alle gelassen und sind alle wieder zu Normalität zurückgekehrt… Ich weis nicht ob die wirklich den Medien glauben oder ob die es einfach nicht wahr haben wollen. Aber ich bewundere diese Disziplin: Die Regierung hat aufgerufen elektrische Energie zu sparen, und alle halten sich daran. Überall wurden Rolltreppen aufgeschaltet, die Regale in den Läden sind nicht mehr beleuchtet, die ganzen Getränke-und sonstige Automaten wurden ausgeschaltet, Leuchtreklame und Ladenschilder sind nicht beleuchtet usw. Man kann sich eigentlich Japan und ganz bestimmt Tokyo nicht ohne die tausenden Leuchtreklame vorstellen! Shinjuku, Rappongi und Ginza ist alles dunkel!!  (Für die, die in Japan wahren: Viele Pachinko hallen wurden geschlossen – noch eine Katastrophe für Japaner :)

Mit guten Hoffnungen aus Japan.
Weitere Updates folgen.

Tags: culture, earthquake, japan, tokyo
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